Künstler Janne Kyttanen

Schuhe und Blumentöpfe sind zwei der einfacheren Produkte, die ein 3D-Drucker erzeugen kann. Aber die Technik zieht in rasantem Tempo immer weitere Kreise. Es werden bereits die ersten Wohnungen damit gebaut und in der Welt der Medizin wird damit experimentiert. Es gibt sogar schon 3D-Drucker, die dazu verwendet werden, 3D-Drucker herzustellen!

Der finnische Designer Janne Kyttanen ist seit 2000 vollkommen im Bann dieser Technik. Sein Werk ist in Galerien und Museen in der ganzen Welt zu sehen. In Rotterdam, Barcelona, Basel und Wien. Aber auch in Israel, Miami und sogar im Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Besteck, Tische, Lampen, aber auch Kleidung und Schuhe. Es ist unglaublich, was er alles aus dem Drucker zaubert.

150 einzigartige Töpfe 
Anlässlich des Tages der Orchidee 2014 kreierte der vielseitige Künstler die ‘3D Orchid Cloud’, einen metergroßen spiegelnden Display aus 150 einzigartigen Blumentöpfen, die mit Hilfe der 3D-Technik hergestellt wurden. Diese Töpfe wurden mit 150 verschiedenen Sorten Orchideen gefüllt. Dies alles zu Ehren der enormen Farbenpracht der Orchidee. Janne selbst drückt dies noch kräftiger aus: “Ich wollte etwas kreieren, das die große Variation innerhalb der Familie der Orchideen wiedergibt, in einer enormen Farbexplosion.”

3 Fragen

Zeit für das Schreiben einer Kolumne hatte der viel beschäftigte Designer nicht, aber Art of Life konnte ihm immerhin 3Dringende Fragen vorlegen:

Welche Auswirkungen hat der 3D-Druck heute und in den kommenden fünf Jahren auf unser tägliches Leben?
 “Er beeinflusst die meisten industriell produzierten Artikel in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung, also sind die Auswirkungen enorm. Und sie werden jedes Jahr um ungefähr 30 % zunehmen.”

Als du dabei warst, die 3D Orchid Cloud zu entwickeln, hast du einem Orchideenzüchter einen Besuch abgestattet; was fandest du dabei am interessantesten?
Die wissenschaftliche Art und Weise, in der alles verfolgt und kontrolliert wurde, war faszinierend.

Wenn man sich entscheiden muss zwischen natürlichen Blumen und 3D-Blume

 “Ich sehe sowieso alles als ein Drahtmodell, also gibt es für mich keinen Unterschied :-)”

Janne Kyttanen
Janne Kyttanen, geboren 1974 in Finnland, begann sein Designstudium 1996 an der Escola de Disseny, Elisave in Barcelona. Im Jahr 2000 zog er in die Niederlande, um sein Examen an der Gerrit Rietveld Academie zu absolvieren. Als Pionier bei Entwürfen für 3D-Drucker hat Janne an preisgekrönten Kampagnen für Marken wie Hyundai, Asics, Nivea, NIKE, Philips und L’Oréal gearbeitet. Heute ist er Creative Director von 3D Systems, dem größten auf 3D-Druck spezialisierten Unternehmen der Welt.

www.jannekyttanen.com

3D –Entwürfe für Orchideentöpfe
PNachfolgend finden Sie mehrere Links zu den von Janne Kyttanen entworfenen Orchideentöpfen. Sie können diese Modelle (falls Sie über einen 3D-Drucker verfügen oder auf einen solchen zugreifen können) selbst ausdrucken und verwenden.

Link 1
Link 2
Link 3

Verschiedene Techniken und Materialien des 3D-Drucks
Es wurden mehrere 3D-Drucktechniken entwickelt, die alle auf eine eigene Art und Weise ein Objekt aus vielen einzelnen Schichten aufbauen. Auch hängt es von der Technik ab, welche Art von Materialien der Drucker verarbeiten kann. So gibt es Geräte, die Schokolade, aber auch Kunststoff drucken können, und andere, die Objekte nur aus einem speziellen keramischen Pulver aufbauen können. Nachfolgend die am häufigsten gebrauchten Materialien und Techniken:

Materialien:
Nylon (Polyamid), recyceltes Holz und Polymer, ABS (das Material, aus dem auch Lego hergestellt wird), PLA (biologisch abbaubarer Kunststoff, der auf Maisstärke basiert ist), Gold, Silber (Wachsausschmelzverfahren), Titanium, rostfreier Stahl, Bronze, Messing (Wachsausschmelzverfahren), Keramik

Techniken:

Stereolithografie
Stereolithografie ist eine Technik, die schon 1986 von Charles Hull erfunden wurde. Ein Laserstrahl (Kunstharz) härtet Schicht für Schicht die Oberfläche aus einem flüssigen Kunststoff. Wo der Laserstrahl die Flüssigkeit trifft, vollzieht sich die Härtung. Wenn die Bearbeitung einer Schicht abgerundet ist, wird die Plattform, auf der das Objekt steht, einen Bruchteil eines Millimeters tiefer in das Becken abgesenkt. Das dreidimensionale Objekt wird dadurch gebildet, dass die aufeinander gestapelten ultradünnen Schichten gehärtet werden.

Fused Deposition Modeling
FDM ist eine Technik, bei der eine bewegliche Spritzdüse einen langen, dünnen Faden aus thermoplastischem Material aufeinander legt. So entsteht schichtweise ein dreidimensionales Objekt. Die meisten “Heim”-Drucker setzen diese Technik ein. Das Unternehmen Stratasys entwickelt FDM 3D-Drucker für den industriellen Gebrauch.

Selective Laser Sintering
SLS ist eine Technik, bei der durch das Verschmelzen eines thermoplastisches Pulvers (oder Metallpulvers) schichtweise Kunststoffobjekte aufgebaut werden. Immer wieder wird eine dünne Pulverschicht auf die andere gelegt. Nach jeder Schicht wird das Pulver von einem Laser lokal geschmolzen (gesintert), wodurch es hart wird und sich mit den anderen Pulverschichten vermischt. Dies wird so lange wiederholt, bis ein ganzes Objekt in 3D entstanden ist.

ZCorp 
Die Technik eines Zcorp-Druckers ist vergleichbar mit SLS. Die Pulverteilchen werden nicht per Laser miteinander verschmolzen, sondern mit Hilfe eines Bindemittels miteinander verleimt. Der Unterschied liegt darin, dass das angewendete Material bedeutend weniger stark ist (am besten mit Gips zu vergleichen), ein Vorteil ist hingegen, dass man mit der 3D-Drucktechnologie von ZCorp in Full Color drucken kann.

Multi Jet Modeling
MJM ist eine Technik, bei der Tröpfchen von geschmolzenem Wachs aufeinander gespritzt werden. Designer verwenden diese relativ zerbrechlichen Modelle vor allem für die Visualisierung von komplexen Formen. Ein Wachsplotter baut das Objekt Schicht für Schicht auf. Der Kopf eines solchen Plotters kann aus bis zu 100 individuellen Wachsnadeln bestehen.

Polyjet 
Polyjet spritzt Schicht für Schicht minimale Tröpfchen flüssiges Polymermaterial auf eine Plattform. Jede Schicht wird gleich nach dem Legen mit Hilfe von UV-Licht gehärtet. Hierdurch haftet es an anderen Schichten und härtet sofort aus. An Stellen, an denen dies nötig ist, wird das Produkt von einem Supportmaterial aus Kunststoff unterstützt.